Die Entwicklung der Flachter Kirmes

Neben anderen kirchlichen Fest- und Feiertagen tritt alljährlich seit alter Zeit die Erinnerungsfeier an den Tag, an dem die Kirche in den Dienst der Gemeinde übernommen wurde – Kirchmesse, Kirchweihe. Im Laufe der Zeit änderte sich die Bezeichnung in Kirmeß, Kirmse, Kermse, Kerb; die seit Ende des 6. Jahrhunderts mit Vergnügungen heidnischen Ursprungs und großen Handelsmärkten den kirchlichen Sinn des Tages völlig verdrängte.

 

Der Versuch der Reformatoren, die Kirmes abzuschaffen, scheiterte an der Verwurzelung dieser Feier im Volksleben. Der Tag der Kirmes ist nicht allgemein feststehend, sondern wird örtlich verschieden begangen.

 

In unserer Gemeinde wird die Kirmes am 2. Sonntag im Oktober veranstaltet.

In den Kriegsjahren wurde die Kirmes nicht gefeiert und auch später waren die Mittel und auch die Motivation der Dorfbevölkerung für die Kirmes eher zurückhaltend.

 

In den fünfziger Jahren wurde dieses Brauchtum jedoch wieder zusehends gepflegt. Die männliche Jugend der Ortsgemeinde, meist im Alter zwischen 18-20 Jahren, schloss sich als Kirmesburschen zusammen. Ihnen oblag das traditionelle Aufstellen der Kirmesbäume, Eröffnung des Tanzabends im Gasthaus Marklof, sowie die Durchführung der Tombola. Attraktionen und zugleich Hauptpreis dieser Tombola war immer der Kirmeshammel. Vor der eigentlichen Verlosung wurde der Hammel nochmals durchs Dorf geführt bzw. falls nötig, auf einem Handkarren gefahren. Dies war besonders dann von Nöten, wenn der Alkoholspiegel des Hammels den Pegel der Kirmesburschen erreichte.

 

In den siebziger Jahren fanden sich keine Kirmesburschen mehr und die alljährliche Kirmes schien nicht mehr das Dorfereignis zu bleiben, wie sie es früher darstellte. In einer Bierlaune wurde am Kirmesmontag 1973, beim Frühschoppen in der Gastwirtschaft Marklof, die Kirmesgesellschaft Flacht 1973 gegründet. 1. Vorsitzender bis zum Jahre 1981 war Heinz Bischof. Der Verein machte es sich zur Aufgabe, uneigennützig das Brauchtum der Kirmes aufrechtzuerhalten und die damit verbundenen Veranstaltungen besser zu organisieren. 1978 wurde die Gesellschaft beim Amtsgericht ins Vereinsregister aufgenommen und ist seitdem ein „eingetragener Verein“.

 

Die Mitgliederzahl wuchs ständig. Heute zählt der Verein an die 90 Mitglieder. Die Kirmes profitierte von der Gründung des Vereins, denn mittlerweile hatte sich die Veranstaltung in Flacht zu einem Dorffest gemausert, für das uns so manche Nachbargemeinde beneiden konnte. Der Tanz am Samstagabend, das sonntägliche Platzkonzert, an dem jeweils 3 Musikvereine teilnahmen, wie auch der jedes Jahr größer werdende Kirmesumzug, gehörten neben der Kirmesverlosung zu den Hauptattraktionen.

 

Der Kirmeshammel wurde jedoch, nicht zuletzt aus Tierliebe, von anderen tollen Preisen in der Tombola ersetzt. Offiziell endet die Kirmes am Kirmesmontag, und zwar dann, wenn die Kirmes in Form einer Strohpuppe standesgemäß betrauert, auf der Aarbrücke angezündet und ins Wasser geworfen wird. Die Puppe hatte schon viele Namen. Mal ist es der Hannes, mal Schibbestiels Miinche, oder die unvergleichliche Conchita. Wer weiß, wie sie dieses Jahr heißt…

 

Nach der „Wasserbestattung“ gibt es dann noch Kaffee und Kuchen für alle „Trauernden“, und wenn kein Kaffee mehr da ist – mal sehen… Zu einer Kirmes gehört der Kirmesplatz, mit all den Schaustellern, die mit Los- und Schießbuden, Karussell und mehr ihr Übriges zur Kirmes beitragen.

 

Der Standort vom Kirmesplatz wechselte mehrfach: Anfangs – und dies war auch am schönsten – war er am Dorfbrunnen. Später wechselte man an die Turnhalle und als der Schulbetrieb ganz eingestellt wurde, verlegte man den „Rummel“ auf den ehemaligen Schulhof.